Das Geheimnis des Chinesischen Hundes – Tag 1

René von Tiger – Consulting Detective

Tag 1 – Aufregung im Palast

Mich erreichte der Hilferuf eines Kollegen aus London, der vor einem scheinbar unlösbaren Rätsel stand. Es waren Gerüchte aufgekommen, ein mysteriöser chinesischer Hund würde die Kontrolle über die Stadt an sich reißen. Handelte es sich etwa um den Decknamen eines ruchlosen Unterwelt-Paten? Drohte uns Unheil durch ein misslungenes Genetik-Experiment verrückter chinesischer Wissenschaftler? Was auch immer da im Nebel des Ungewissen lauerte: Die Metropole an der Themse war in Gefahr! Also ließ ich alles stehen und liegen und eilte sofort auf die britische Insel, um meinem hilflosen Kollegen unter die Arme zu greifen.

Noch am gleichen Tag kam ich in Calais an, von wo aus ich ganz klassisch mit der Fähre nach Dover übersetzte. Bei strahlendem Sonnenschein stach ich in See, und schon beim Auslaufen konnte man mit gutem Tigerauge die White Cliffs of Dover am Horizont erspähen.

Bei Ankunft in Dover hatte sich die Sonne allerdings dazu entschlossen, kurzerhand unterzugehen. So hüllten sich die weißen Kreidefelsen der englischen Südküste in ein lila-rotes Farbenspiel, als ich von Bord der Fähre ging.

Kaum in London angekommen, erreichte mich eine Einladung von allerhöchster Stelle. Offenbar hatte man mittlerweile selbst im Buckingham Palace Wind von der Affaire um den Chinesischen Hund bekommen. Also musste ich meine dringenden Termine hinten anstellen, um die Queen durch meine persönliche Anwesenheit davon zu überzeugen, dass alles in besten Tigertatzen ist.

Leider war mein bevorstehender Besuch durch eine undichte Stelle im Palast an die Öffentlichkeit geraten, so dass mich am Ort des Geschehens ganze Heerscharen von Fans erwarteten. Man kann sich im Punkto Geheimhaltung halt auf niemanden mehr verlassen. So hatte ich mir das natürlich nicht vorgestellt, denn ich arbeite viel lieber unentdeckt im Verborgenen.

Aber gut, soviel Zeit musste dann eben sein, um einige Dutzend Hände zu schütteln und ein paar hundert Autogramme zu geben. Für die von den Massen eindringlich geforderten Fotos postierte ich mich an einer der von Neuseeland gestifteten Skulpturen am Fuße des Victoria Memorials, das golden im Licht der Sonne funkelte.

Wo ich schon mal da war, kontrollierte ich in einmal mal kurz die Sicherheit des Palastes und der Queen. Dabei warf ich insbesondere einen Blick auf die korrekte Einteilung der Guards, die vor ihren Wachhäuschen strammstehen und alles um sich herum fest im starren Blick haben. Die Jungs sahen mir irgendwie nicht mehr ganz so frisch aus, weshalb ich beim Kommandanten umgehend einen Wachwechsel anordnete.

Beim Changing of the Guards marschieren die mit Trumm un Trööt Quer über den Platz, machen voreinander Männchen, laufen ein bisschen hin und her, um dann mit Pauken und Trompeten wieder von dannen zu ziehen. Das lenkte die Massen effektiv ab, die mir hier auflauerten, so dass ich endlich unentdeckt im Palast verschwinden konnte.

Ihr werdet sicher verstehen, dass ich über das Treffen mit der Queen absolutes Stillschweigen wahren werde, da hier Angelegenheiten von äußerster politischer Brisanz behandelt wurden. Ich bin ja schließlich keine Plaudertasche!

Nachdem sich draußen das Volk wieder verlaufen hatte, verabschiedete ich mich im Palast und spazierte über The Mall und durch den St. James Park bis zum Trafalgar Square. Dort kehrte ich im Pub „Silver Cross“ ein, um bei einer kleinen Stärkung den Kopf wieder frei zu kriegen.

Englisches Essen ist ja nicht unbedingt bekannt dafür, den gehobenen Tigergaumen zu erfreuen, aber mit einer traditionellen Portion Fish & Chips kann man eigentlich nichts verkehrt machen.

Dazu natürlich eine kleine Kostprobe verschiedener lokaler Biere. Hier waren es ein mildes Pale Ale und ein würziges Indian Pale Ale, kurz IPA, die nach dem langen Tag beide sehr erfrischend und anregend auf meinen unermüdlich arbeitenden Tigergeist wirkten.

Beim Bezahlen musste ich zum ersten mal eine dieser neuen Fünf-Pfund-Noten in die Tatzen nehmen. Das war ja vielleicht eine Enttäuschung.

Da denkt man, im Land der vielen Traditionen und der konservativer Werte bekäme man ein wertiges Material zu spüren, wenn man einen Geldschein anfasst. Weit gefehlt!

Die neuen Lappen – und nur als solche kann ich sie bezeichnen – fühlen sich an wie billige Plastikfolie, und an einer Stelle sind sie sogar durchsichtig. Mannohmann! Da haben sich die Finanzgenies der Bank of England aber kein ruhmreiches Ei ins Designer-Nest gelegt. Es sei denn, man betrachtet den Schein so, als hätte er Tigerstreifen im Hintergrund von Big Ben, dann wäre das Design natürlich definitiv ein Geniestreich. 😉

Aber morgen ist ein neuer Tag, und dann muss ich meinen Kopf wieder für die Ermittlungen frei haben. Ich berichte euch dann, wie es weiter geht…


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